Zu Gast im Erzgebirge.
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Datum: 15.08.2022 – 06.32 Uhr
Ausgabe 112

Das Erzgebirge gestern und heute im Detail

Das Erzgebirge – die Entstehung

Das Erzgebirge gehört zu den Mittelgebirgen und bildet eine natürliche Barriere zwischen dem deutschen Bundesland Sachsen und Böhmen in der Tschechischen Republik, wo es „Krusné hory“ genannt wird. Auf deutscher Seite ist der Fichtelberg mit 1.215 Metern die höchste Erhebung, auf tschechischer Seite ist es der Berg Klinovec mit 1.244 Metern. Im Westen grenzt das Erzgebirge an das Fichtelgebirge, im Osten an das Elbsandsteingebirge.

Das Erzgebirge ist im Wesentlichen in der variszischen Gebirgsbildungsphase entstanden, also vor etwa 350 Millionen Jahren. Damit ist es erheblich älter als die Alpen, deren Auffaltung erst über 200 Millionen Jahre später begann. Die Entstehung der ältesten Gesteine, die im Erzgebirge anzutreffen sind, begann allerdings bereits vor etwa 570 Millionen Jahren. Man kann davon ausgehen, dass das, was wir heute „nur“ noch als Mittelgebirge wahrnehmen, einst viel größer und höher gewesen ist. Hunderte von Millionen Jahren Erosion ließen die Berge dann auf die heutige Größe schrumpfen. Vor etwa 400.000 Jahren bildete das Erzgebirge ein Hindernis für die weitere Ausbreitung des aus Skandinavien vordringenden Eises der Elster-Kaltzeit. Zu einer Eigenvergletscherung des Erzgebirges kam es nach bisherigen Erkenntnissen in keiner der quartären Kaltzeiten.

Das Erzgebirge trägt seinen Namen erst seit dem Mittelalter, bis dahin gab es verschiedene Bezeichnungen. Als eine der bekannteren gilt „Miriquido“, ein Begriff, der auf das Germanische zurückgeht und so viel wie „Dunkelwald“ bedeutet. Lange Zeit, als die gesamte Mittelgebirgszone noch komplett und durchgehend bewaldet war, wurde die Region unter dem Begriff „Herzynischer Wald“ subsumiert. Ab dem 16. Jahrhundert setzte sich allmählich der heutige Name durch.

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Das Erzgebirge – eine Kulturlandschaft

In vielen Fällen gelten Gebirgslandschaften als natürliche Refugien, in denen sich Flora und Fauna ungestört und frei entfalten bzw. erhalten können. Auf den ersten Blick könnte man das auch vom Erzgebirge denken, doch tatsächlich ist die gesamte Region als Kulturlandschaft zu betrachten. Das bedeutet, dass das Aussehen der Landschaft vor allem das Ergebnis der Einflussnahme durch den Menschen ist.

Es begann im Jahr 1168, als im Raum Freiberg erste Silberfunde gemacht wurden. Sie lösten das sogenannte Erste Berggeschrey aus mit einem Effekt, der dem Goldrausch in Nordamerika durchaus ähnlich gewesen sein muss. Von überallher kamen Menschen, die auf unterschiedliche Art an dem zu erwartenden Reichtum teilhaben wollten. Die eigentümliche Schreibweise von „Berggeschrey“ geht auf das im Mittelalter gebräuchliche Mittelhochdeutsche zurück, in dem „ei“, das wie „ai“ gesprochen wurde, als „ey“ geschrieben wurde. Der Begriff des Berggeschreys fand in dem benannten Jahr im Erzgebirge nach dem momentanen Erkenntnisstand tatsächlich das erste Mal Verwendung und wurde mitsamt seiner mittelalterlichen Schreibweise quasi in die Tradition der bergbaulichen Fachbegriffe übernommen. Der Effekt, dass sehr viele Menschen zusammenkamen, um an dem zu erwartenden Reichtum partizipieren zu können, muss für damalige Verhältnisse ungeheuerlich gewesen sein, zumal die Verbreitung von Neuigkeiten ja nur von Mund zu Mund erfolgte.

300 Jahre später erfolgte das Zweite Berggeschrey, als in Schneeberg und bei Annaberg-Buchholz noch ergiebigere Silbervorkommen gefunden wurden. Das dritte folgte 1946, doch ging es dieses Mal nicht mehr um Silber, sondern um Uran. Die Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft Wismut lieferte zwischen 1946 und 1990 die Rohstoffgrundlage für die sowjetische Atomindustrie.

Im Erzgebirge wurden im Lauf der Jahrhunderte aber auch viele weitere Erze abgebaut wie Eisen, Zinn und Kupfer. Natürlich ging diese umfangreiche und lang anhaltende Bergbautätigkeit alles andere als spurlos am Naturraum vorbei. Die Siedlungen dehnten sich durch den Zulauf an Menschen aus, der Bergbau verschlang Unmengen an Holz, das vor Ort geschlagen wurde. Wasserläufe wurden hier umgeleitet, dort aufgestaut und an anderen Stellen benutzt, um Maschinen anzutreiben. Die Schachtanlagen und Abraumhalden sowie die verarbeitende Industrie veränderten nach und nach die Landschaft und prägten sie. Nur dort, wo nicht mehr gefördert wurde, eroberte sich die Natur Bereiche allmählich zurück. Trotzdem ist die Ursprünglichkeit der Landschaft des Erzgebirges verloren gegangen.

Leider brachten insbesondere der rücksichtslose Uranabbau und die Verarbeitung viele Probleme für die Menschen und die Natur mit sich.

Ab 1998 wurde daran gearbeitet, die „Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří“ in das UNESCO- Weltkulturerbe zu übernehmen. Dies war ein aufwendiger und langwieriger Prozess, der aber 2019 erfolgreich abgeschlossen werden konnte.

Doch wie es aussieht, ist das Kapitel des Bergbaus im Erzgebirge noch längst nicht abgeschlossen. In den letzten Jahren kamen Explorationen, also die bergbauliche Untersuchung und Erkundung des Untergrundes, zu dem Ergebnis, dass hier noch immer Rohstoffe im Wert vieler Milliarden Euro darauf warten, zu Tage gefördert zu werden.

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Das Erzgebirge im Sommer

Die Tage, in denen zigtausende Menschen im Bergbau eine Arbeit fanden, sind schon lange vorüber. Schon zu Zeiten der DDR wurde allerdings das Potenzial des Erzgebirges als Erholungsgebiet gesehen. Für DDR-Bürger, die in den Urlaub fahren wollten, gab es die Wahl: Erzgebirge oder Ostsee? Nach dem Ende der DDR wurde daran angeknüpft und es wurden viele Investitionen vorgenommen, um den Wert der Region für Tourismus und Naherholung weiterzuentwickeln.

Ähnlich wie im Ruhrgebiet wurde auch hier darauf geachtet, den Bergbau als Determinante der lokalen Identität aufzugreifen und ihn den Besuchern in vielfältiger Weise nahezubringen. Das bedeutet, dass sich hier die Eigentümlichkeiten und Traditionen eines Wirtschaftsbereiches auf den Alltag übertragen haben. So wird zum Beispiel der Bergmannsgruß „Glückauf!“ auch von Leuten verwendet, die selbst gar nicht im Bergbau arbeiten. Auch Bergmannsumzüge und das dazugehörige Liedgut werden nicht als berufsspezifisches Brauchtum angesehen, sondern eher als regionale Folklore. Schaubergwerke, Industriedenkmäler, Museen und auch der Betrieb von dampfbetriebenen Schmalspurbahnen sind dabei Attraktionen, die viel touristisches Potenzial haben.

Eigentlich gab es im Erzgebirge aufgrund der Oberflächenstruktur ursprünglich gar keine stehenden Gewässer. Erst durch den Bergbau entstanden im Laufe der Jahrhunderte Teiche und Stauseen, die für den dauerhaften Betrieb von Wasserrädern und dergleichen angelegt wurden. Im 19. Jahrhundert kamen verschiedene Talsperren für die Bereitstellung von Trinkwasser hinzu. Heute werden viele dieser Seen auch für touristische Zwecke genutzt, so zum Beispiel der Greifenbachstauweiher nördlich von Geyer, der auf eine Anlage aus dem 14. Jahrhundert zurückgeht. Das größte Gewässer dieser Art ist der Filzteich bei Schneeberg, der im 15. Jahrhundert angelegt wurde. Beide sind heute für die Naherholung erschlossen und gut besuchte Ausflugsziele.

Wem diese Möglichkeit der sommerlichen Erfrischung nicht ausreicht, dem kann in der Region allerdings auch noch auf andere Weise Abkühlung verschafft werden: Im Lehr- und Schaubergwerk Frisch Glück „Glöckl“ in Johanngeorgenstadt nahe der tschechischen Grenze herrschen unabhängig von den oberirdischen Temperaturen konstant 8 Grad Celsius. Hier kann man sich ein Bergwerk mit allem Drum und Dran unter fachkundiger Führung ansehen und durchaus ein kleines Abenteuer erleben.

In der ganzen Erzgebirgsregion gibt es über zwanzig Schaubergwerke mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen und technischen Ausstattungen. Die Region wird dadurch auf interessante und unterhaltsame Weise erlebbar. Im Sommer lassen sich die vielfältigen Angebote, die über die gesamte Region verstreut sind, wunderbar mit Wanderungen oder auch Radwandertouren und Mountainbiking verbinden. Aber auch einzelne Orte wie Freiberg haben Besuchern viel zu bieten. Die allgemein gute Verkehrsanbindung, die Erschließung vor Ort und auch die Nähe zu großen Städten wie Dresden sorgen dafür, dass das Erzgebirge eine Region ist, in der zwei oder drei Wochen Sommerurlaub nicht langweilig werden.

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Das Erzgebirge im Winter

Die Höhenlagen des Erzgebirges bieten allgemein gute Voraussetzungen für Wintersport. Schon zu DDR-Zeiten gab es in Oberwiesenthal ein Leistungszentrum, das unter anderem den dreifachen Olympiasieger im Skispringen Jens Weißflog hervorgebracht hat. Auf beiden Seiten der Grenze gibt es größere Pistengebiete und ein umfangreiches Streckennetz für Skilanglauf. Doch nicht nur für ausgesprochene Wintersportler ist das Erzgebirge in der kalten Jahreszeit interessant: Familien aus Berlin beispielsweise, die endlich einmal viel Schnee erleben wollen, werden ihn im Erzgebirge sehr wahrscheinlich finden. Viele der regionalspezifischen Angebote aus dem Bergbaubereich haben auch im Winter geöffnet, so dass für einen Winterurlaub mit der Familie auch abseits von Pisten und Loipen viel geboten wird.

Für den Tourismus im Erzgebirge ist die Advents- und Weihnachtszeit von besonderer Bedeutung. Die Weihnachtsmärkte in Schneeberg, Freiberg und anderen Orten erfreuen sich nationaler und durchaus auch internationaler Beliebtheit. Warum gerade hier?

Zu allen Zeiten war die Beschäftigung im Bergbau immer wieder konjunkturellen Schwankungen unterworfen: Hier wurde eine Zeche, also ein Bergbaubetrieb, wegen mangelnder Rentabilität geschlossen, dort gab es vorübergehend keine Arbeit. Auch für Männer, die aus Alters- oder gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Bergmann arbeiten konnten, mussten zusätzliche oder Ersatzeinkünfte geschaffen werden. Da Landwirtschaft hier nicht infrage kam, bot sich die Holzverarbeitung an.

Anfangs wurden Dinge für den täglichen Bedarf hergestellt, doch nach und nach konzentrierte man sich auf die Herstellung von Spielsachen und auf Figuren rund um das Brauchtum des Bergbaus. Zu diesen Traditionen gehörten auch Umzüge in Bergmannsuniformen, von Musikkapellen und vieles mehr. All das wurde in Gestalt der Holzfiguren wieder aufgegriffen. Jeder kennt die Schwibbögen, Räuchermännchen, Engel, Bergmänner und Nussknacker, die in allen Farben und Größen auf vielen Wohnzimmerschränken stehen. Bei einem Schwibbogen handelt es sich um einen weihnachtlichen, bogenförmigen Kerzenständer mit geschnitzten oder ausgesägten Figuren darunter. Die Traditionen der Bergleute wurden nach und nach für die Adventszeit sozusagen touristisch aufbereitet und stimmungsvoll mit Bratwurst und Glühwein präsentiert. Für viele kommt einfach keine Weihnachtsstimmung auf, wenn sie nicht auf einem der tatsächlich sehr schönen Weihnachtsmärkte im Erzgebirge gewesen sind. Und kaum einer geht ohne einen kleinen hölzernen Bergmann oder Nussknacker wieder nach Hause!

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Das Erzgebirge – man nimmt etwas mit

Eine Reise ins Erzgebirge kann man zu jeder Jahreszeit als Bereicherung empfinden. Heute lässt es sich in der Region gut erholen, die früher hauptsächlich durch Arbeit geprägt war. Es ist schön zu sehen, dass sich die Wälder im Erzgebirge vom Waldsterben der 80er und 90er Jahre wieder erholt haben. Damals verwandelte der saure Regen die Wälder teilweise in Mondlandschaften. Auch im Schwarzwald oder in anderen Wäldern konnte man die Schäden sehen, doch nirgends war das Bild so niederschmetternd und traurig wie hier im Erzgebirge. Das hiesige Waldsterben wurde damals als eine der größten ökologischen Katastrophen in Mitteleuropa eingestuft. Mit sehr viel Aufwand konnten die Immissionen nach der Wiedervereinigung im gesamten Bundesgebiet deutlich gesenkt werden. Allein in Sachsen ist der Ausstoß von Schwefeldioxid seit 1990 um 98 % zurückgegangen. Dies und umfangreiche Neuanpflanzungen haben zu einem Erfolg geführt, der sich sehen lassen kann.

Es ist gut, dass diese Region ihre Traditionen so betont und auch über die Landesgrenze hinweg versucht, mit ihnen eine Zukunftsperspektive zu entwickeln. Was dort geschieht, ist keine bloße Show – es ist authentisch! Das, was dort gezeigt wird, ist auch tatsächlich passiert und hat funktioniert. Nicht selten trifft man hier Menschen, die noch unter Tage gearbeitet haben. Der Beruf des Bergmanns ist ohne Zweifel gefährlich, unglaublich anstrengend und schmutzig. Und doch wird einem Beobachter schnell eines klar: Diese Männer waren und sind stolz auf das, was sie getan haben, und sie haben ihre Arbeit trotz aller Widrigkeiten geliebt. Harte Arbeit wird hier als unverbrüchlicher Wert präsentiert, wie man ihn in der Arbeitswelt unserer Tage nur zu oft vermisst. Auch das ist eine Erfahrung, die man hier machen kann!

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Der Bergmannsgruß – eine sächsische Erfindung

Der in Deutschland übliche Bergmannsgruß „Glück auf!“ entstand Ende des 16. Jahrhunderts im sächsischen Erzgebirge! Mit dieser Grußformel werden zwei Wünsche zum Ausdruck gebracht: In beiden Fällen wünscht man einander Glück und gutes Gelingen. Zum einen ist es die verkürzte Form von „Ich wünsche dir Glück dabei, dass du einen neuen Erzgang auftust“ (im Sinne von finden/eröffnen), also ein Wunsch, der andere möge Erfolg bei der Arbeit haben. Der Bergbau fand und findet tief „im Berg“ bzw. unter der Erde statt. Selbst heute ist das trotz aller Hilfsmittel der Technik nicht ungefährlich, früher hingegen waren Unfälle im Bergbau keine Seltenheit, so dass immer wieder viele Verletzte und Tote zu beklagen waren. Vor diesem Hintergrund bedeutet „Glück auf!“ auch so viel wie: „Ich wünsche dir Glück, dass du wohlbehalten wieder heraufkommst!“, oder, anders gesagt: „Komm heil wieder!“

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